Bildungsgerechtigkeit schaffen

Warum wir "SCHULE inklusiv" machen

Mit SCHULE inklusiv möchten wir einen praktischen Beitrag zur Weiterentwicklung von Schulen auf dem Weg zur Inklusion leisten. Wir möchten Sie dabei unterstützen, in Ihrer Schule passende Prozesse der Organisationsentwicklung, der Unterrichtsentwicklung und der Personalentwicklung anzustoßen und als Schulleitung langfristig zu begleiten. Neben positiven Beispielen werden wir auch Stolpersteine und kritische Diskussionen aufzeigen um mit Ihnen den Weg zu mehr sozialer Partizipation und weniger Ausgrenzung für alle Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.

Rolf Werning

Inklusive Bildung begleitet mich seit meinem Studium der Sonderpädagogik in den 1980er Jahren. Damals war die integrative Förderung im gemeinsamen Unterricht schon ein zentrales Thema. Gleichwohl sah die Realität so aus, dass Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen weitgehend in Sonderschulen unterrichtet wurden. Auch meine erste Stelle als Lehrer war in einer Schule für "Lernbehinderte". Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schüler machte mir hier sehr viel Freude. Gleichwohl wurde mir deutlich, dass diese separierte Förderung die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. An der Laborschule in Bielefeld, in der ich in den 1990er Jahren Projekte als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bielefeld durchführen durfte, konnte ich dann die Chancen einer inklusiven Bildung in heterogenen Lerngruppen in der Praxis kennen lernen. Die "gute Mischung", das Zusammenleben und -lernen von Kindern mit unterschiedlichen soziokulturellen Hintergründen und unterschiedlichen Entwicklungs- und Leistungsständen in altersgemischten Lerngruppen, machte mir das Potenzial von Heterogenität durch kooperatives Lernen und Peer-Learning sehr deutlich. Diese Erfahrung bestärkte mich auf dem Weg, die inklusive Bildung auch in meiner Tätigkeit als Hochschullehrer an der Leibniz Universität in Hannover weiter zu verfolgen und in den Mittelpunkt meiner Forschung und Lehre zu stellen. Inklusive Bildung verstehe ich heute als Minimierung von Bildungsbenachteiligungen und als Maximierung von sozialer Teilhabe und von Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen. Es geht somit nicht um die Frage, an welcher Schule einzelne Schülerinnen bzw. Schüler mit bestimmten Merkmalen „richtig“ sind. Vielmehr geht es darum, Schulen zu entwickeln, die für möglichst viele Kinder und Jugendlichen eine anregende, entwicklungs- und lernförderliche Umgebung bereitstellen können.

Seit kurzem heißt mein Lehr- und Forschungsbereich nun auch "Inklusive Schulentwicklung". Dies umfasst die Bereiche der Organisations-, Unterrichts- und Personalentwicklung. Die Untersuchung von Schulentwicklungsprozessen, aber auch die Begleitung von Schulen, sind hier für mich ein äußerst spannender Arbeitsbereich. Gleichzeitig ist es mir ein wichtiges Anliegen, auch den Studierenden aus unterschiedlichen Lehrämtern Kompetenzen für den erfolgreichen Umgang mit inklusiven Lerngruppen zu vermitteln.

Mit SCHULE inklusiv soll nun eine Zeitschrift entstehen, die sich an Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer sowie Referendarinnen und Referendare richtet. Dabei geht es aus meiner Sicht darum, sie in ihrem Unterrichtsalltag, der nicht selten durch schwierige und widersprüchliche Anforderungen gekennzeichnet ist, zu unterstützen. Inklusive Bildung ist dabei eine Langzeitaufgabe die nur gelingen kann, wenn sich die Lehrkräfte kompetent fühlen, die damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen. Dazu wollen wir wissenschaftlich fundierte, praxisrelevante Perspektiven aufzeigen, wie Schule und Unterricht adaptiver werden können, um möglichst viele Schülerinnen und Schülern bei ihrem Lern- und Entwicklungsprozessen zu unterstützen. Dazu sollen natürlich auch interessante und innovative Beispiele aus der Praxis nicht zu kurz kommen. Nicht zuletzt möchten wir aufzeigen, dass inklusive Bildung auch für Lehrkräfte nicht nur Belastungen, sondern auch neue, innovative und befriedigende berufliche Perspektiven ermöglichen kann.

Birgit Lütje-Klose

Die schulische Inklusion ist schon seit 25 Jahren ein zentrales Thema für mich in Unterricht und Förderung, Lehre und Forschung, Konzeptentwicklung und Weiterbildung. Als Lehrerin für sonderpädagogische Förderung war ich fünf Jahre an unterschiedlichen Schulen tätig, darunter an einer Förderschule Lernen und einer inklusiven Grundschule, und habe mit ganz unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrerinnen und Lehrern zusammengearbeitet. Sie bei der Gestaltung gelingender Lernsituationen zu unterstützen und ressourcenorientiert die bestmögliche Förderung für alle Kinder gemeinsam zu planen und umzusetzen, war mein wesentliches Ziel. Zusammen mit den Schulleitungen dieser Schulen habe ich mich intensiv für den Aufbau inklusiver Kulturen und Strukturen engagiert.

Seit 2007 bin ich als Professorin für schulische Inklusion und sonderpädagogische Professionalisierung an der Universität Bielefeld tätig und setze mich nun in dieser Rolle dafür ein, gute Bedingungen für die Unterstützung und Förderung von Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen und mit Beeinträchtigungen zu schaffen. Dazu gehört in der universitären Lehre die Ausbildung von zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern, vor allem ihre Vorbereitung auf die neuen Aufgaben in inklusiven Schulen. Im Bielefelder Studiengang der „Integrierten Sonderpädagogik“, den ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen aus der Schul- und Sonderpädagogik verantworte, bieten wir den Studierenden neben einer grundlegenden inklusionspädagogischen Qualifikation für alle die Möglichkeit zum Erwerb eines Doppelabschlusses für ein allgemeines (Grundschul- bzw. Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschul-)Lehramt und parallel ein sonderpädagogisches Lehramt.

Für alle Schülerinnen und Schüler gute Entwicklungs- und Lernbedingungen herzustellen, ist Herausforderung und Chance zugleich. Schulen auf dem Weg zur Inklusion zu unterstützen, ist mir daher ein großes Anliegen, das ich u.a. auch im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen – aktuell im BMBF-geförderten Projekt BiFoKi www.bifoki.de – verfolge. Durch mein Engagement im Herausgeberteam von SCHULE inklusiv möchte ich dazu beitragen, dass Lehrkräfte und Schulleitungen eine Plattform für den Austausch und die Information über inklusionsrelevante Themen, gute Beispiele und aktuelle Forschung bekommen.

 

Ulrike Becker

Die inklusive Schule bereitet Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern, mit und ohne Behinderung, mit verschiedenen Begabungen u.a. auf das Leben in einer pluralen demokratischen Gesellschaft vor. Somit ermöglicht die inklusive Schule das gemeinsame Aufwachsen von Kindern, die eine gemeinsame Zukunft in unserem Land teilen werden. Dies stellt für alle Schülerinnen und Schüler eine einzigartige Bildungschance dar. Gleichzeitig stehen die Lehrkräfte einer inklusiven Schule vor hohen Herausforderungen, da sich unsere aktuellen gesellschaftlichen Probleme im Alltag der Schule abbilden.

Als Schulleiterin einer integrierten Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe und als Sonderpädagogin mit langjähriger Erfahrung in unterschiedlichen Schulformen weiß ich, dass die Arbeit der Steuergruppe und der erweiterten Schulleitung entscheidend zum Gelingen einer inklusiven Schule beiträgt. Aus diesem Grunde bin ich hochmotiviert als Herausgeberin einer Zeitschrift für die inklusive Schule mitzuwirken, die Erfahrungen und Wissen weitergibt.

Christiane Hüttmann

Zwei Dinge treiben mich in meiner Aufgabe besonders um. Dies ist erstens der Umgang mit der Unterschiedlichkeit der Lernenden und zweitens die passgenaue Förderung aller. Viele Zufälle zu Beginn meiner Zeit als Lehrkraft und später dann das zielgerichtete Vorgehen haben mich immer wieder in Arbeitsbereiche geführt, die sich durch große Unterschiedlichkeit auszeichneten. Integrationsklassen, Klassen mit jahrgangsübergreifendem Lernen oder die Arbeit an einer Schule in einem herausfordernden Stadtteil. Der Grundgedanke ist gleich geblieben: Welches Angebot muss ich als Lehrkraft bereitstellen, damit alle am Unterricht teilhaben können? Diese Frage ist eine inklusive Frage, die sich nicht ausschließlich auf Lernverzögerungen oder körperliche Beeinträchtigung bezieht, sondern auf die gesamte bunte Schülerschaft.

Der Blick allein auf die Schülerinnen und Schüler ist aber nicht alles. Vielmehr geht es um Wirksamkeit von Lehrkräften und nicht zuletzt um den systemischen Umgang mit Vielfalt und die Schulorganisation. Pädagogisch-didaktische Überlegungen, fachliche Ansätze, Schulentwicklungsprozesse sowie die Aus-und Fortbildung von Lehrkräften interessieren mich nicht nur, ich darf damit auch täglich arbeiten. Ich freue mich, meine Gedanken in die Arbeit für „SCHULE inklusiv – Vielfalt nutzen, Bildungsgerechtigkeit schaffen“ einfließen zu lassen, um theoretisch hilfreiche Ansätze und erfolgreiche Beispiele aus der Praxis noch weiter in die Schulen zu tragen.  

Die Redaktion

Margret Liefner-Thiem

Inhaltlich wachse ich in meine Rolle als Redakteurin der neuen Friedrich-Zeitschrift SCHULE inklusiv gerade hinein, denn während meines Gymnasiallehramtsstudiums kam ich mit Themen der inklusiven Schule nicht wirklich in Berührung. Im Gegenteil, das Selbstverständnis des Gymnsiums ist vielerorts in seiner Außen- wie Innenwahrnehmung noch bei weitem kein inklusives. Auch während meiner vormaligen Tätigkeit als Redakteurin der Zeitschrift geographie heute spielten Fragen einer inklusiven Didaktik selten eine Rolle. Privat beobachte ich die Grundschule meiner Tochter mittlerweile auf besondere Weise: Wie wird dort mit Heterogenität umgegangen, geht es dort bildungsgerecht zu, wie wird Schülerinnen und Schülern mit besonderen Anforderungen begegnet, wie werden Eltern einbezogen? 

Dabei komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass Inklusion ohne die passende Haltung nicht geht. Sie ist die Grundlage, um Strukturen zu schaffen, die inklusives Arbeiten ermöglichen.   

Ich freue mich sehr, gemeinsam mit der Herausgeberrunde und den Autorinnen und Autoren diese neue Zeitschrift im Friedrich Verlag aufbauen zu dürfen. Für jede Ausgabe kann ich mich in ein neues Thema vertiefen, an Texten feilen, Bilder recherchieren und Titelbilder mitgestalten. Das digitale Angebot auf www.schule-inklusiv.de ergänzt die Zeitschrift mit spannenden Inhalten und ermöglicht zugleich das digitale Arbeiten mit den Texten aus der gedruckten Zeitschrift. Ein rundum zukunftsweisendes Paket!

Zwei Hände tippen auf einer Notebook-Tastatur

Arbeiten Sie mit!

Möchten Sie die Zeitschrift mitgestalten und haben Sie ein interessantes Konzept entwickelt und erprobt? Oder gehen Sie in Ihrer Schule mit gutem Beispiel voran und können darüber berichten? Dann schreiben Sie uns! 

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge zeitnah an:


Redaktion Schule Inklusiv
Friedrich Verlag
Postfach 100150
30917 Seelze

redaktion.inklusion(at)friedrich-verlag.de

Schulterblick vom Berg aus auf eine Großstadt

Vorschau

  • Schüler mit auffälligem Verhalten
    Herausgegeben von Ulrike Becker und Rolf Werning
  • Förderplanung
    Herausgegeben von Birgit Lütje-Klose und Bettina Streese
  • Digitalisierung
    Herausgegeben von Christiane Hüttmann und Lea Schulz