1. – 13. Schuljahr

Andrea Michel | Kornelia Scholtes

Der Mensadienst

Ein inklusiver Baustein im pädagogischen Konzept der Offenen Schule Waldau

In der Offenen Schule Waldau werden täglich fast 900 Lernende mittags verköstigt. Damit dies in der einstündigen Mittagspause möglich ist, braucht es die Mithilfe aller Schülerinnen und Schüler. Der Mensadienst hat sich als inklusives Konzept etabliert, bei dem die Schülerinnen und Schüler ihre Tätigkeiten eigenständig aushandeln und lernen, die Fähigkeiten wie auch die Einschränkungen aller Beteiligten wertzuschätzen und zu akzeptieren.

Die Offene Schule Waldau ist eine Integrierte Gesamtschule, in der Kinder mit und ohne Anspruch auf sonderpädagogische Förderung gemeinsam unterrichtet werden. Im Rahmen der Ganztagsschule verpflichten sich die 900 Schülerinnen und Schüler, am angebotenen Mittagessen teilzunehmen. Dies setzt ein qualitativ hochwertiges Angebot voraus, dessen Auswahlmöglichkeiten die Schülerinnen und Schüler anspricht. Seit 2007 gibt es das Essenskonzept „Waldau isst gut. Die aktive Beteiligung der Klassen am Mensadienst ist dabei sowohl in finanzieller als auch in pädagogischer Hinsicht von entscheidender Bedeutung.
Mensadienst, was heißt das?
Jede Klasse hat einmal im Schuljahr eine Woche Mensadienst für die Mittagspausen und eine Woche Milch- und Obstdienst in den Frühstückspausen. Mensadienst heißt, den Mensaraum für die Gäste vorzubereiten, die Essensstationen zu betreuen, Tische sauber zu wischen sowie schmutziges Geschirr zu sammeln und zu spülen eine umfangreiche und anstrengende Aufgabe, bei der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte dankenswerterweise von den Eltern unterstützt werden.
Mensadienst, ein inklusives Konzept
Wieso der Mensadienst ein pädagogisches Konzept, ja ein inklusives Konzept, ist, zeigt sich an vielen Stellen. Es beginnt im Vorfeld mit dem Aushandeln des Arbeitsplatzes. Es gibt Plätze mit einfachen, spannenden aber auch schmutzigen Tätigkeiten oder solche mit mühsamen Arbeitsabläufen. Deshalb ist nicht jeder Arbeitsplatz gleich beliebt. Auszuhandeln, wer welchen Arbeitsplatz besetzen soll, ist ein demokratischer Prozess, der jedes Schuljahr erneut in einer Klasse stattfindet. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler, nicht ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche in den Vordergrund zu stellen, sondern gemeinsam zu entscheiden, für wen welcher Arbeitsplatz der geeignete ist. Unangenehmes anzunehmen und zurückzustecken im Sinne der Gemeinschaft, ist ein Lernprozess, der hier mit angestoßen wird. Denn schon hier gilt es, Verantwortung für die Klasse zu übernehmen und verantwortlich für das Gelingen der Klassenaufgabe zu sein.
Dabei ist es wichtig, die Fähigkeiten der Einzelnen zu kennen und wertzuschätzen und die Einschränkungen zu akzeptieren. Denn nur eine gute Zusammenarbeit gewährleistet den reibungslosen Ablauf der Versorgung. Die Klassenkameradin oder der Klassenkamerad im Rollstuhl hat am Eingang eine ebenso wichtige Aufgabe wie die Schülerin oder der Schüler mit einer Aufmerksamkeitsstörung in der Spülküche. An der Geschirrrückgabe kann die Schülerin oder der Schüler der 6. Klasse der Mitschülerin oder dem Mitschüler aus Jahrgang 10 klarmachen, wie er das Geschirr abzustellen hat. Dies trägt zur Stärkung des Selbstbewusstseins bei.
Die Stärkung des sozialen Gefüges im Klassenverband zeigt sich aber nicht nur im Planungsprozess. Das Tragen des roten Mensa-T-Shirts und der blauen Schürze zeigt, „wir gehören zusammen, wir sind verantwortlich. Beim gemeinsamen Essen zu Beginn des Dienstes sitzt man zusammen, isst, erzählt, hört zu, erfährt Dinge auch von Mitschülerinnen und Mitschülern, mit denen man weniger zu tun hat, und spürt die gemeinsame Aufgabe, die vor einem liegt. Man lernt Eltern kennen und sieht die Klassenlehrer oder Klassenlehrerinnen, die natürlich auch Mensa-Dienst haben, in einer anderen Rolle. Alle machen die gleiche Arbeit auch das verbindet.
Für die Schülerinnen und Schüler mit...

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