1. – 13. Schuljahr

Karin Hebbecker | Martin T. Peters | Elmar Souvignier

Diagnosebasierte individuelle Leseförderung und Feedback

Umsetzung evidenzbasierter Konzepte in der schulischen Praxis

Um Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf optimal fördern und ihnen passgenaue Rückmeldung geben zu können, sind diagnostische Informationen über deren Lernstand und Lernverlauf notwendig. Der Beitrag stellt einen praktisch erprobten, materialgestützten Ansatz zur Umsetzung der drei Elemente Diagnostik, Feedback und Förderung im Bereich Lesen vor.

Grundlagen
Die große Heterogenität der Schülerinnen und Schüler und damit einhergehende unterschiedliche Lernbedarfe stellen Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Um dieser Heterogenität gerecht zu werden, ist das Recht auf individuelle Förderung im Schulgesetz der meisten Bundesländer verankert (z.B. Schulgesetz NRW, § 1). Insbesondere die Umsetzung von Inklusion und die Betreuung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf bringen vor diesem Hintergrund erhöhte Anforderungen mit sich. Um jedes Kind entsprechend seiner Lernbedarfe bestmöglich zu fördern, benötigen Lehrkräfte diagnostische Informationen über die Leistung und die Leistungsentwicklungen der Schülerinnen und Schüler.
Das Konzept formativen Assessments stellt eine vielversprechende und evidenzbasierte Möglichkeit zur Umsetzung individueller Förderung im Unterricht dar (Black u. Wiliam 2009). Bei diesem, den Lernprozess begleitenden Ansatz, werden in regelmäßigen Abständen diagnostische Informationen über die Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler erhoben. Diese werden genutzt, um den Schülerinnen und Schülern ihre Leistung zurückzumelden und individuelle Fördermaßnahmen anzupassen. Durch wiederholtes Erheben diagnostischer Informationen zum Lernprozess kann die Wirksamkeit der eingesetzten Feedback- und Fördermaßnahmen überprüft und das Unterrichtsangebot gegebenenfalls angepasst werden (Black u. Wiliam 1998; Maier 2010). So entsteht ein Kreislauf aus den Elementen Diagnostik, Feedback und Förderung (Abb. 1 ).
Die kurze Skizzierung des Grundprinzips formativen Assessments legt nahe, dass die Umsetzung dieses Konzepts im schulischen Alltag mit hohem zeitlichem Aufwand verbunden sein kann (z.B. durch Auswertung und ggf. Erstellung diagnostischer Instrumente sowie durch die Vorbereitung individueller Feedback- und Fördermaßnahmen). Für die Umsetzung dieses theoretischen Konzepts im schulischen Alltag sind daher einfache und praktikable Lösungen notwendig. An der Universität Münster wurde für den Inhaltsbereich Lesen ein Konzept zur praktischen Umsetzung des Konzepts formativen Assessments entwickelt. Dazu wurden für die drei Elemente Diagnostik, Feedback und Förderung konkrete Materialien erarbeitet und erprobt, die eine diagnosebasierte, individuelle Leseförderung unterstützen.
Die folgenden Abschnitte fassen für jedes der drei Elemente empirische Befunde zusammen und skizzieren die konkrete Umsetzung der entwickelten Materialien für den Leseunterricht der Klassenstufen 2-4. Dabei werden jeweils theoretische und empirisch basierte Grundprinzipien erläutert, die losgelöst von den konkreten Inhalten für die 2.4. Klassenstufe auch auf eine diagnosebasierte individuelle Leseförderung in der Sekundarstufe übertragen werden können. Zudem können auch in der Sekundarstufe die Materialien der Primarstufe relevant sein, um den Lernprozess von Schülerinnen und Schülern mit Leseschwierigkeiten bestmöglich zu unterstützen.
Diagnostik
Eine Möglichkeit zur prozessbegleitenden Diagnostik bietet das Konzept der Lernverlaufsdiagnostik. Ziel dieses Ansatzes ist es, durch eine wiederholte Anwendung von standardisierten Testverfahren regelmäßig Informationen über den Lernstand, aber auch über die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Als primärer Adressat gilt die Lehrkraft, die somit kontinuierlich Rückmeldung bekommt, ob das jeweilige...

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