1. – 13. Schuljahr

Bettina Streese

Emotionale und soziale Kompetenzen entwickeln helfen

Diagnostik und Förderplanung mit den Herner Materialien

Die Herner Materialien sind als Arbeitshilfe für Schulen im Umgang mit verhaltensbezogenen He-rausforderungen erarbeitet worden. Sie bieten Unterstützung bei der Erfassung der Gesamtsituation einer Schülerin oder eines Schülers und dem Aufbau förderlicher innerschulischer und außerschulischer Bedingungen. Der Beitrag stellt Einsatzmöglichkeiten für Diagnose und Förderplanung vor.

Die Ausgangslage von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung ist geprägt durch vielfältige komplexe Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Individuum, sozialem Umfeld und Persönlichkeitsentwicklung (KMK 2000).
Herausforderndes Verhalten
Seit den 1960er-Jahren sind unterschiedliche Konzeptionen und schulische Interventionsformen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten entstanden. So finden sich individualpsychologische (Vernoij), interaktionspädagogische (Myschker), kognitiv-verhaltensmodifikatorische (Neukäter), personenzentrierte (Goetze), gestaltpädagogische (Stein), lebensproblemzentrierte (Wittrock), handlungstheoretische (Mutzeck), lösungs- und entwicklungsorientierte (Spiess), entwicklungstherapeutische (Wood und Bergsson), ökosystemische (Molnar und Lindquist, Palmowski) sowie bindungstheoretische (Grossmann und Grossmann, Schleiffer) Ansätze. Je nach Menschenbild und ethischer Grundüberzeugung, leiten sich diagnostische Handlungen und Maßnahmen zur Förderung ab.
Diagnostisches Handeln muss um erfolgreich zu sein frühzeitig, präventiv, kooperativ, umfassend, Indikatoren geleitet sowie prozessbegleitend und interdisziplinär sein. Interdisziplinarität bedeutet in diesem Zusammenhang die Einbindung aller an der Förderung Beteiligten, was besonders im Kontext der emotionalen und sozialen Entwicklung zusätzlich zu den Lehrkräften und schulischen Unterstützungspersonen auch das schulexterne Netzwerk und die Eltern betrifft. Neben den multiprofessionellen Teams der Schule können daher auch psychosoziale, medizinische, psychotherapeutische Dienste, Jugendhilfe, Schulpsychologie, Erziehungsberatung, Jugendgerichte, Jugendstrafvollzug u. a. beteiligt sein.
Das verbindende Ziel dabei ist die Entwicklung eines gemeinsam abgestimmten Förderplans unter Einbezug aller vorliegenden Informationen und der Sichtweisen aller Beteiligten, insbesondere im Sinne der Subjektorientierung der Schülerin oder des Schülers und der Erziehungsberechtigten. Hillenbrand betont drei grundlegende Aspekte im Kontext eines entsprechenden diagnostischen Handelns: Die Diagnostik „muss die Normgebundenheit der Diagnose transparent machen, darf nicht allein das Individuum und seine Eigenperspektive, sondern muss immer auch das Umfeld beachten und darf nicht allein die Störungen, sondern muss auch die Kompetenzen und Ressourcen fokussieren (Hillenbrand 2009, S. 138). Pädagogische Diagnostik mit ihrer stärken- und ressourcenorientierten Sichtweise (Eggert 2007) muss also systemisch angelegt sein und sich kritisch mit den erwarteten Normentwicklungen auseinandersetzen.
Die Herner Materialien
Ein Material, das als Arbeitshilfe für Schulen beim Umgang mit verhaltensbezogenen Herausforderungen erarbeitet wurde und für Diagnostik und Förderplanung Unterstützung anbietet, sind die „Herner Materialien zum Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten (Esch et al. 2010, 2014, 2016). Mit Blick auf die Zielgruppe des pädagogischen Personals in Tageseinrichtungen für Kinder wurde die Erstfassung der Materialien 2003/04 in der Stadt Herne in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen entwickelt und 2006 veröffentlicht. Diese Entwicklung stand im Kontext eines vom Institut für Soziale Arbeit (ISA e.V.) koordinierten Modellprojektes zur Erprobung von sozialen Frühwarnsystemen in Nordrhein-Westfalen. Es folgten Weiterentwicklungen bis hin zu den...

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