5. – 13. Schuljahr

Andrea Meyer und Sandra Grüter

Förderplanung: Baustein inklusiver Schulentwicklung

Beispiele individueller Entwicklungsförderung in der Sekundarstufe

Förderplanung versteht sich als prozessbegleitendes Instrument individueller Entwicklungsförderung für alle Schülerinnen und Schüler. Der Beitrag stellt Beispiele produktiver Förderplanung in der Sekundarstufe vor, zeigt strukturelle Unterschiede auf und benennt Gelingensbedingungen.

Ein Inklusionsbegriff, der einen grundsätzlichen Umgang mit Heterogenität und Vielfalt im Kontext Schule betont, berücksichtigt individuelle Unterschiede und Bedarfe aller Schülerinnen und Schüler, ohne eine Kategorisierung und Zuordnung zu einer bestimmten (Lern-)Gruppe. Förderplanung versteht sich als prozessbegleitendes Instrument individueller Entwicklungsförderung für alle Schülerinnen und Schüler und ist nicht beschränkt auf diejenigen, denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf zugewiesen wurde. Schülerinnen und Schülern mit umfangreicheren Unterstützungsbedarfen ermöglicht er aber eine differenzierte Berücksichtigung ihrer Bedarfe im Unterricht (vgl. Hinz 2013, Booth u. Ainscow 2002, Werning 2005, Dyson 2007).
Eine gut dokumentierte und im Team kommunizierte Förderplanung ist insbesondere in integrierten Schulen der Sekundarstufe von großer Bedeutung. Sie bewältigen aktuell zu großem Anteil die inklusive Beschulung in der Sekundarstufe in Deutschland (vgl.  Hollenbach-Biele 2016, S. 16). In der Sekundarstufe stehen die Schülerinnen und Schüler einem hohen Maß an Fachunterricht sowie damit einhergehenden Fachlehrerwechseln gegenüber, im Gegensatz zum durch das Klassenlehrerprinzip geprägten Grundschul- bzw. Förderschulsystem. Dies bedeutet ggf. im Schulstundentakt wechselnde Bezugspersonen. Für alle, besonders aber für Kinder und Jugendliche mit besonderen Unterstützungsbedarfen, gelten aber stabile Beziehungen, eine hohe Transparenz im Hinblick auf die zu erreichenden Förderziele und -maßnahmen sowie ein regelmäßiges Feedback zu ihrer Arbeit als notwendige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.
Für den Schulentwicklungsprozess stellt sich die Frage nach optimierten Abläufen, die einen Informationstransfer und Austausch aller Akteursgruppen ermöglichen. Ziel dabei ist, die notwendige Stabilität im Förderprozess durch ein angemessenes förderdiagnostisches Handeln im Sinne einer prozessbezogenen Lernbegleitung für alle Schülerinnen und Schüler zu generieren (vgl. Prengel 2016, Albers 2014, Werning 2005). Bestehende Konzepte zur Förderplanung wie beispielsweise KEFF (vgl. Popp, Melzer u. Methner 2011, IEP (vgl. Eggert 2007) und Kooperative Förderplanung (vgl. LISUM 2010) können den Blick dafür öffnen, innerschulische Strukturen im Hinblick auf die Umsetzung des Anliegens individueller Lernprozessbegleitung als fortlaufenden Prozess zu etablieren.
Zwei Wege der Umsetzung von Förderplanung
Die folgenden Beispiele zeigen, wie der Prozess der Förderplanung an Einzelschulen unter je spezifischen, unterschiedlichen Bedingungen verschieden gestaltet wird (Daten: Idel et al. 2019: Inklusion an Bremer Oberschulen).
Diese Beispiele verweisen auf ein hohes Maß an Gestaltungsspielraum im Umsetzungsprozess der Einzelschulen. Neben der Notwendigkeit der Überwindung systemisch struktureller Hürden, zeigen sie die Relevanz der Etablierung unterstützender (Unterrichts-)Praktiken sowie einer grundlegenden, dem Förderplanungsprozess gegenüber offenen Haltung aller Beteiligten (vgl. Booth u. Ainscow 2016, Idel et al. 2019).
Die gelebte Praxis der Förderplanung unterscheidet sich nicht nur im Kontext Haltung sowie im zuständigen Personal, sondern auch hinsichtlich der adressierten Schülergruppe (s. Kasten 1). Während an Schule A Förderpläne für Schülerinnen und Schüler mit (vermutetem oder bereits festgestelltem) sonderpädagogischem Förderbedarf angefertigt werden, können in den Helferkonferenzen an Schule B im Sinne eines weiten Inklusionsverständnisses (vgl....

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen