1. – 13. Schuljahr

Gerald Matthes

Förderziele erreichen

Mit „WOOP Motivation und Handlungsplanung verknüpfen

Förderziele mit Schülerinnen und Schülern gemeinsam zu planen und zu realisieren, Prioritäten zu setzen und Ziele zu erreichen das muss nicht so unüberschaubar bleiben, wie es manchmal erscheint. Die WOOP-Strategie fasst die Weichenstellungen für das Gelingen des Prozesses in einer einfachen Formel zusammen: Zielmotivierung plus Visualisierung der Hürden.

Ein Schüler möchte eine bestimmte Aufgabe gleich nach seiner Rückkehr nach Hause erledigen. Eigentlich. Aus irgendeinem Grund tut er es dann doch nicht. Die Aufgabe bleibt liegen. Das bedauert er später: „Hätte ich es doch gleich gemacht! Solche Situationen kennen wir alle. Beim nächsten Mal will man sein Vorhaben ganz sicher umsetzen. Diese „innere Festigung hilft manchmal, aber längst nicht immer. In der nächsten Ernstsituation wiederholt sich das bekannte Verhalten: Das gute Vorhaben unterbleibt. Die Psychologie spricht hier von Ausführungsschwierigkeiten.
Gabriele Oettingen (2015) schlägt eine Strategie vor, die sie mit dem Akronym WOOP bezeichnet und die sich in empirischen Untersuchungen als wirksam erwiesen hat. Im Kern besteht die Strategie darin, die Motivation (oder Selbstmotivierung) mit der inneren Vorbereitung auf Hürden zu verbinden. Die WOOP-Strategie umfasst vier Schritte: Wish (Wunsch), Outcome (Ergebnis), Obstacle (Hindernis) und Plan (Plan). In den ersten beiden Schritten wird ein Wunsch entwickelt und innerlich ausgemalt. Wie schön wäre das Erreichen des Ziels! Das gibt dem Handeln Richtung und Antrieb. In den beiden darauffolgenden Schritten werden mögliche Hindernisse bei der Verwirklichung ins Auge gefasst und deren Bewältigung geplant. Wenn wir uns die Schritte ansehen, so erkennen wir die Logik ihres Aufbaus: Die Person stärkt ihre positiven Gedanken und Emotionen. Sie verbindet dies mit der Vorstellung von Hindernissen (z.B. andere Anreize, keine Lust, Unklarheit über das „Wie) und der Antizipation ihrer Überwindung. Die Effektivität der Strategie ließ sich für verschiedene Altersgruppen und Lebensbereiche nachweisen: am Arbeitsplatz, im Studium und für die persönliche Gesundheitsvorsorge. Auch Schulkinder verbesserten ihre Leistungen.
Der Beitrag zeigt die Verbindung von WOOP mit dem Ansatz der entwicklungsorientierten Gespräche, auch Coaching-Gespräche genannt (Spiess, 2012). Dabei geht es um einen Wunsch des oder der Lernenden, den dieser oder diese auch realisieren kann. Der Wunsch, die positiven Folgen der Wunschrealisierung, die Hindernisse und deren Überwindung sind Themen eines Gesprächs zwischen Lehrkraft und Schülerin bzw. Schüler. Dabei werden die wichtigsten Stichworte auf einem Kärtchen notiert, das die Schritte zur Wunscherreichung symbolisiert (Matthes 2018, S. 139  ff.). Auch nach der Erarbeitung des Kärtchens kann eine gewisse Unterstützung nützlich sein, bis hin zur Reflexion des Erreichten (Was ist dir schon gelungen? Wie hast du das geschafft?).
Kasten 1 gibt einen Überblick über die vier Schritte von WOOP.
Kasten 1: Die vier Schritte von WOOP
Kasten 1: Die vier Schritte von WOOP
W (Wunsch): Wir benötigen einen Raum, in dem ein ungestörtes und für das Kind angenehmes Gespräch möglich ist. Nach der Gesprächseröffnung kann das Thema des ersten Schrittes sinngemäß so eingeleitet werden: „Ich möchte mit dir über deine Wünsche in der Schule sprechen. Was wünschst du dir denn für dein Lernen? Zur Sprache kommen soll ein Anliegen des Kindes, keines der Erwachsenen. Sicherlich schweben der Lehrkraft viele Ziele zur Verbesserung von Leistungen oder Verhaltensweisen des Kindes vor. Das ist hier nicht relevant. Es kommt auf den Wunsch des Kindes an. Dessen Äußerungen aufgreifend, kann die Lehrkraft Impulse geben.
Bei Wünschen, die einen Erwachsenen oder ein anderes Kind betreffen, kann man sagen: „Ja, das wäre schön, aber das kannst du ja nicht selber machen. Was möchtest du für dich schaffen? Was...

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