1. – 13. Schuljahr

Walter Spiess | Bettina Streese

Stärken- und lösungsorientierte Entwicklungsgespräche

Lösungsfindung mit Schülerinnen und Schülern im Rahmen von Förderplanung

Wie müssen pädagogische Gesprächsangebote gestaltet sein, damit Schülerinnen und Schüler möglichst viel über die eigenen Kompetenzen und ihre Möglichkeiten zur Weiterentwicklung lernen? Stärken- und lösungsorientierte Gespräche zusammen mit einer konstruktivistischen Grundhaltung können eine geeignete Grundlage für die gemeinsam gestaltete Förderplanung sein.

Eine etablierte, entwicklungsorientierte Gesprächskultur mit Schülerinnen und Schülern ermöglicht es, Gesprächsergebnisse strukturiert in Förderplanungsprozesse einzuweben und auch schriftlich zu dokumentieren. Das kann entweder über das Führen entsprechender Gesprächsdokumentationen, über die Einbindung in ein Förderplanungsinstrument oder auch über den individuellen Lernplaner der Schülerinnen und Schüler erfolgen.
Ein Typus eines pädagogischen Gesprächsmodells für Schülerinnen und Schüler sind „stärkenorientierte Gespräche (Spiess u. Bischoff-Weiß 2012). In stärkenorientierten Gesprächen werden Schülerinnen und Schüler dazu angehalten, ihre Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was sie (schon) gut machen, was ihnen (schon) gelingt. Und mit ihnen wird exploriert, an welchen Kriterien sie die Richtigkeit oder das Gelingen festmachen. Dies gelingt z.B. über Fragen wie „Wenn du daran denkst, wie du an das Schreiben von Aufsätzen herangehst: Was machst du gut? Was gelingt dir?, „Woran kannst du erkennen, dass du das richtig machst, dass es dir gelingt? , „Wie hast du das gemacht, dass du so gut geworden bist?. Zu identifizieren, was man schon richtig oder gut macht, will gelernt sein. Antworten von Schülerinnen und Schülern lauten dann z.B.: „Das spür ich, wenn es richtig ist., „Das sagt mir meine Lehrerin, ob es richtig ist oder falsch. oder: „Das schau ich mir von meinem Nachbarn ab. Der hat meistens alles richtig.
Ein anderer Typus des pädagogischen Gesprächsmodells für Schülerinnen und Schüler ist „lösungsorientiert (Spiess u. Bischoff-Weiß, 2012). In lösungsorientierten Gesprächen geht es darum, unmittelbar Lösungen zu erdenken und zu entwickeln, anstatt nach Fehlern und Ursachen zu suchen. Dabei hat sich die so genannte „Wunderfrage (Berg 2015, de Shazer 2015, Spiess u. Bischoff-Weiß 2012, Spiess 2013; s. Kasten 1 ) als besonders wirkungsvoll erwiesen. Nachdem beispielsweise ein Schüler oder eine Schülerin die Gelegenheit hatte, ein Anliegen zu schildern, wird für das weitere Vorgehen im Gesprächsverlauf Folgendes angeboten: „An dieser Stelle hätte ich ein kleines Gedankenspiel für dich. Wenn der Schüler oder die Schülerin Interesse oder Zustimmung signalisiert, geht das Gespräch wie folgt weiter: „Wir machen ein sogenanntes Brainstorming. Wie das geht, werde ich dir noch zeigen. Es wird dir helfen, Ideen im Hinblick auf Lösungen zu entwickeln. Du nimmst diese Ideen mit nach Hause und lässt sie in deinem Kopf arbeiten. Es wird Abend, es wird Nacht und du legst dich schlafen. Und während du schläfst, passiert ein Wunder. Was wird das erste sein, woran du erkennen wirst, dass wirklich ein Wunder passiert ist? Was ist dann anders?
In der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern stehen häufig deren Fehler im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Diese Fehlerorientierung können Lehrkräfte zugunsten einer Entwicklungsorientierung verändern, indem sie ihre Schülerinnen und Schüler kompetenzorientiert befragen. Eine Schülerin oder ein Schüler benennt dabei, was er/sie hinsichtlich eines bestimmten Kompetenzbereichs schon alles kann, woran er/sie das erkennt und worin er/sie noch besser werden möchte. Und weiter: Woran er/sie das in Zukunft erkennen wird und was er/sie glaubt, was passieren müsste, damit er/sie noch besser werden könnte. Solche entwicklungsorientierten Fragen zielen direkt auf Wirkungen ab. Die Schülerinnen und Schüler sind dazu aufgefordert, ihre subjektiven...

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