1. – 6. Schuljahr

Bettina Streese

Didaktik Textiler Sachkultur

Unterrichtvorbereitung zum Nemes-Kopftuch aus inklusiver und textildidaktisch sachkultureller Perspektive

Die Textile Sachkultur bildet das Zentrum der lernenden und erfahrungsorientierten Auseinandersetzung im Textilunterricht. Dabei steht ein Objekt der materiellen Welt exemplarisch im Mittelpunkt. Der Beitrag gibt Einblick in die Didaktik Textiler Sachkultur am Beispiel der Auseinandersetzung mit dem Nemes-Kopftuch im inklusiven Textilunterricht.

Didaktik Textiler Sachkultur
Die Sachkulturforschung versteht es als ihre Aufgabe, „Objekte aus ihren jetzigen und historischen Verwendungszusammenhängen heraus zu verstehen und über die Objekte auf die Realität des kulturellen Lebens zu schließen (Brednich 1988, S. 77 zit. nach Köller 1999, S. 8). Ingrid Köller transformierte diese Überlegungen unter Einbindung der bildungstheoretischen Forderungen Wolfgang Klafkis nach eigenständigen Strukturen der Fachdidaktiken, den Prinzipien der Schülerinnen- und Schülerorientierung und des Exemplarischen. Daraus entwickelt sie in den 1990er-Jahren das Konzept Didaktik Textiler Sachkultur.
Textile Sachkultur wird dabei als Zentrum der lernenden und erfahrungsorientierten Auseinandersetzung im Textilunterricht betrachtet, wobei ein Objekt der materiellen Welt (Dingwelt) exemplarisch im Mittelpunkt des Unterrichts steht. Textile Gegenstände bilden damit das Zentrum der Auseinandersetzung mit Textiler Sachkultur. Sie werden über verschiedene begriffliche und textilpraktische Zugriffswege erschlossen, um ganzheitliches Lernen und Erfahren zu ermöglichen.
Das begriffliche Erschließen unter den textilwissenschaftlichen Aspekten Konsumtion, Produktion, Ästhetik und Kulturgeschichte erfolgt durch die verbale Auseinandersetzung, einschließlich fachsprachlicher Kompetenz, und dem Erkennen von Zusammenhängen. Mittels historischer und aktueller Aussagen und Fragen zum Objekt und zur Objektgruppe in diesen vier Dimensionen erschließt sich ein ganzheitliches Bild.
Das textilpraktische Erschließen findet durch vielfältige Formen des Handelns, Wahrnehmens und Hantierens mit textilen Objekten und textilem Material statt. Hier stehen die textilwissenschaftlichen Aspekte Hüllenform, Flächenform, Materialqualitäten und das Hantieren und Wahrnehmen im Zentrum des textilpraktischen Zugriffs (Köller 1999, S. 14ff.). Die Gewichtung kann dabei je nach Unterrichtsvorhaben sehr unterschiedlich sein.
Das Nemes-Kopftuch
Das Nemes-Kopftuch
Das Nemes-Kopftuch in historischer Perspektive ist ein Kopftuch, das die Pharaonen imalten Ägypten trugen. Es gehörte zum Königsornat und wurde entweder allein oder mit Krone getragen. Abbildungen auf Wandmalereien sind bis in die Ptolemäerzeit nachweisbar. Das Tuch war dreieckig und gestreift und ca. dreimal so lang wie breit. Es wurde über den Kopf gelegt. Die Stirn war bedeckt und an beiden Seiten des Kopfes fiel das Tuch über die Ohren bis zur Brust herab; diese Streifen waren gefaltet. Im Nacken wurde der Teil des dort liegenden Tuches zu einem zopfartigen Wulst zusammengedreht. Auf der Stirn war häufig als Symbol des Königs die Uräusschlange befestigt (vgl. Semling).
Das real vorhandene, zentrale Objekt dieser Unterrichtsvorbereitung, das Nemes-Kopftuch, entstammt dem Karnevalsbedarf und ist aus didaktischer Perspektive der Textilen Sachkultur ein aktuelles Beispiel aus der Kategorie Spieltextilien (vgl. Köller 1999, S. 12). Es stammt aus dem Jahr 2013 und wurde über den Namen „Pharaoh HEADDRESS von der Firma Widmann S.R.L. aus Italien vertrieben und in China hergestellt. Das Objekt trägt einen Grünen Punkt und in verschiedenen Sprachen den Hinweis, dass es für Personen unter 14 Jahren nicht geeignet und von Feuer fernzuhalten sei.
Inklusive Didaktik und kognitive Landkarte
Die „Individualisierung der Lernangebote für alle Schülerinnen und Schüler (Lütje-Klose 2011) unter Beachtung der „Kooperation am gemeinsamen Gegenstand (Feuser...

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