1. – 13. Schuljahr

Ada Sasse | Ursula Schulzeck

Die Differenzierungsmatrix

Inklusiven Unterricht planen und gestalten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, der Heterogenität von Lerngruppen im Unterricht zu begegnen. Der Beitrag stellt mit der Differenzierungsmatrix ein Instrument zur Planung, Gestaltung und Reflexion inklusiven Unterrichts vor. Die Differenzierungsmatrix setzt am gemeinsamen Lerngegenstand an und unterstützt Lehrerinnen und Lehrer dabei, im Team den Bildungswert von Lerngegenständen für ganz unterschiedliche Schülerinnen und Schüler erfahrbar zu machen.

Um bei der Gestaltung inklusiven Unterrichts der Vielfalt in heterogenen Lerngruppen adäquat begegnen zu können, bedienen sich Lehrerinnen und Lehrer häufig einer der folgenden drei Möglichkeiten:
  • die Darbietung von Unterrichtsthemen findet auf (zumeist) drei Niveaustufen statt;
  • die Strukturierung des Unterrichts wird entlang von Kompetenzen vorgenommen, u.a. durch Kompetenzraster;
  • die Aufbereitung von Unterrichtssituationen erfolgt entlang von Heterogenitätsdimensionen.
Diese drei Zugänge zu inklusivem Unterricht weisen jedoch Nachteile auf.
Nachteile bisheriger Zugänge
Aus der Planung des Unterrichts auf drei Niveaustufen folgt z.B. häufig, dass drei Teilgruppen der Klasse jeweils für sich arbeiten, ohne dass Heterogenität pädagogisch wirksam wird.
Die Planung des Unterrichts auf der Basis von Kompetenzen hat die Schwierigkeit, dass Kompetenzbegriffe ihre Stärken eher in der nachträglichen Reflexion haben als in der Antizipation („Welche Kompetenzen haben Schüler in einem stattgefundenen Unterrichtsvorhaben erworben? vs. „Welche Kompetenzen werden Schüler im geplanten Unterricht erwerben?). Kompetenzmodelle bis heute nur für wenige „standardbasierte Fächer (Klieme 2004) entwickelt dienen in erster Linie als Grundlage, „den Output des Bildungssystem(s) empirisch zu überprüfen (Klieme et al. 2003, S. 71). Sie ermöglichen nicht die direkte Ableitung einschlägiger Bildungsinhalte. Außerdem existieren Kompetenzmodelle bis heute nicht für Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarfen. Für sie sind weiterhin individuelle Förderpläne auszuarbeiten.
Die Planung auf Basis von Heterogenitätsdimensionen ist ebenfalls mit Schwierigkeiten verbunden. Heterogenitätsdimensionen, wie z. B. sonderpädagogischer Förderbedarf, stellen eine so starke Reduktion von Komplexität dar, dass aus ihnen nicht direkt didaktische Handlungsoptionen folgen.
Alternativen
Den genannten drei Zugängen ist die Absicht der Lehrkraft gemeinsam, die Verschiedenheiten der Schülerschaft zum primären Ausgangspunkt der Planung zu wählen. Dieser Beitrag schlägt jedoch vor, eine fundierte Unterrichtsplanung für heterogene Lerngruppen vielmehr bei der Durchdringung des Lerngegenstands durch die Lehrkraft anzusetzen.
Unterricht kann sich dann zu inklusivem Unterricht entwickeln, wenn für alle Schülerinnen und Schüler verbindliche Bildungsvorstellungen vorhanden sind. Dann lernen sie „in Kooperation miteinander, an und mit einem gemeinsamen Inhalt und mittels ihrer jeweiligen Handlungskompetenz, wie Feuser u. Meyer (1984) definiert haben. Im Rahmen der „entwicklungslogischen Didaktik präzisierte Feuser (1995) das gemeinsame Lernen „auf dem jeweiligen Entwicklungsniveau nach Maßgabe der „momentanen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskompetenzen in Orientierung auf die „nächste Zone der Entwicklung‘“. Hier ist kein Lerngegenstand für bestimmte Schüler potenziell nicht geeignet. Es kommt vielmehr darauf an, Lerngegenstände didaktisch so zu präsentieren, dass sie für alle anschlussfähig werden können. Diese Idee ist sowohl bildungstheoretisch als auch fachdidaktisch weiterhin aktuell (vgl. Behrend, Heyden u. Häcker 2019).
Mit der Differenzierungs-matrix inklusiven Unterricht planen
In Thüringen sind im vergangenen Jahrzehnt zwei Instrumente entwickelt worden, die Unterstützung darin bieten, Lerngegenstände didaktisch so aufzubereiten, dass sie ihren Bildungswert für...

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