1. – 6. Schuljahr

Claudia Schomaker

Inklusiven Sachunterricht planen

Über Schülervorstellungen den Lerngegenstand vielfältig erfahrbar machen

Guter inklusiver Sachunterricht ermöglicht allen Schülerinnen und Schülern eine anregende, kognitiv aktivierende Sachbegegnung. Ausgehend von den individuellen Zugängen und Sichtweisen der Lernenden lassen sich „Erfahrungsräume gestalten, in denen kindliche und fachliche Perspektiven einander gegenüberstehen. In ihnen können die Schülerinnen und Schüler Sachverhalte auf eigenen Wegen erforschen und eine für sich passende Aneignung finden. Der Beitrag gibt einen theoretischen Überblick über das Planungsmodell und stellt Material sowie ein Beispiel zur Anwendung bereit.

Herausforderungen und Bedingungen
Gegenwärtig wird die Diskussion um „guten Sachunterricht insbesondere dadurch bestimmt, den Ansprüchen eines inklusiven Unterrichts gerecht zu werden. Vor allem die Planung einer Unterrichtseinheit bzw. von Lernsituationen in einer heterogenen Lerngruppe stellt Lehrkräfte vor besondere Herausforderungen. So zeichnet sich inklusiver Sachunterricht dadurch aus, dass neben dem Anspruch des fachbezogenen Lernens, der sich aus Unterrichtsinhalten und -zielen ergibt, der Einbezug individueller Sichtweisen und Zugänge von Schülerinnen und Schülern zum Unterrichtsgegenstand grundlegend ist (vgl. Seitz u. Scheidt 2012, S. 8; Schomaker 2007). Zudem ist „ein wesentliches Prinzip inklusiver Didaktik [] neben der Individualisierung von Lernzielen und -wegen in der Herstellung von Gemeinsamkeit unter den Schüler*innen zu sehen, welche unter anderem durch Einsatz kooperativer Lernformen gefördert werden soll (Schulte et al. 2019, S. 21).
Das erweiterte Planungsmodell der „inklusionsdidaktischen Netze von Kahlert (2016; Heimlich u. Kahlert 2012) zielt in diesem Sinne darauf ab, Lehrkräfte in der Auswahl von Inhalten und deren Aufbereitung für den Unterricht zu unterstützen, sodass „Schülerinnen und Schüler eigene Fragen, Erfahrungen und Vorstellungen mit ihnen verbinden können, Lernen zu Wissen hinführt, das in Fachkulturen gesichert und weiterentwickelt wird, Kompetenzen grundgelegt und somit Handlungsmöglichkeiten sowie Urteils- und Orientierungsgrundlagen erweitert werden, dabei den vielfältigen Entwicklungsbedürfnissen von Kindern Rechnung getragen wird (Kahlert 2016, S. 216f.).
Parallel zu diesem Modell entwickelten Gebauer und Simon ein didaktisches Planungs- und Hand-lungsmodell für inklusiven Sachunterricht, das, ebenso ausgehend von den subjektiven Vorstellungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler, den Fokus auf die Reflexion von unterschiedlichen Repräsentationsebenen und Aneignungsformen der gewählten Inhalte legt. So erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, individuelle Lernwege zu wählen.
Die dadurch erarbeitete individuelle Bedeutung von Inhalten können die Lernenden auf vielfältige Weise zum Ausdruck bringen, damit die Inhalte „eine Resonanz in der Lebenswelt der Schüler*innen erfahren (Gebauer u. Simon 2012). In dem hier benannten Planungsmodell werden Prinzipien inklusiven Sachunterrichts wie Vielperspektivität, Kommunikation, vielfältige Zugänge zu Inhalten aufgegriffen (vgl. Schomaker u. Seitz 2011), die u.a. durch erste Forschungsarbeiten in diesem Kontext hervorgehoben werden (Seitz 2005; Schomaker 2007).
Weiterführende Studien zu inklusiver Unterrichtsforschung im Sachunterricht zeigen sich erst in Ansätzen (vgl. Schroeder 2019, S. 56). Sie verdeutlichen, dass eine wesentliche Gelingensbedingung guten inklusiven Sachunterrichts darin besteht, allen Schülerinnen und Schülern eine anregende, kognitiv aktivierende Sachbegegnung zu ermöglichen und die Sachauseinandersetzung durch strukturierende Lernunterstützung fachlich angemessen zu begleiten (Schulte et al. 2019, S. 33f.; Blumberg u. Mester 2017). „Problemorientierte Aufgabenformate [] gekoppelt mit der Entwicklung eigener Fragen und kokonstruktiven Austausch über vorhandene...

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