1. – 13. Schuljahr

Christoph Walther

Inklusive Schulentwicklung durch Feedback

Das Beispiel der Jacob-Muth-Preisträgerschule IGS Hannover-Linden

Welche Bedeutung kann Feedback im Prozess inklusiver Schulentwicklung einnehmen und wie kann Schulleitung dieses kommunikative Mittel einsetzen? Im Beitrag beschreibt der ehemalige Schulleiter der IGS Hannover-Linden, wie Inklusion in der Praxis gelingen kann und welche Rolle Feedback in diesem Prozess spielt.

Bevor der Weg der IGS Linden zu (mehr) Inklusion und einer Feedbackkultur betrachtet wird, soll verdeutlicht werden, was im Folgenden unter „Feedback und unter „Umsetzung von Inklusion zu verstehen ist.
Ein Blick auf die Begriffe
Feedback
Der Begriff Feedback stammt aus der Kybernetik, der Lehre von Regelungsprozessen, durch die Informationen von einem System zu einem anderen übertragen und zurückgemeldet werden (vgl. Fengler 2017, S.16). Die Herkunft aus dem technischen Bereich ist noch mancher Definition anzumerken, die den Erfolg eines Feedbacks in Abhängigkeit davon sieht, ob bestimmte Normen für das Geben und Entgegennehmen von Feedback eingehalten werden. Dazu zählen zum Beispiel das Einhalten bestimmter Regeln („10 Goldene Feedbackregeln (https://organisationsberatung.net/feedbackregeln-feedback-geben/), die Orientierung an der Schrittigkeit eines vorgegebenen Gesprächsverlaufs oder die Beschränkung der Reaktion des Empfängers auf das Zuhören und Akzeptieren der Botschaft. Schulz von Thun u.a. monieren zu Recht: „Solche ‚Regeln sind gut gemeint, [] ihre musterschülerhafte Befolgung kann das Entscheidende nicht garantieren: den Mut zu Wahrhaftigkeit, die Haltung des Wohlwollens und das Gespür für die Situation (Schulz von Thun, Zach u. Zoller 2012, S. 68, Stichwort „Feedback).
Schulz von Thuns „Kommunikationsideal für Führungskräfte liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es kein pauschal-ideales Verhalten gibt (‚Wer fragt, der führt), sondern dieses immer von den Besonderheiten der Person, Rolle und Situation abhängen sollte (ebd., S.70, Stichwort „Führung). Diesen Gesichtspunkt berücksichtigt Jörg Fengler in seiner Monographie „Feedback geben (5. Aufl. 2017). Sie richtet sich u.a. an Führungskräfte, denen es um die Ermöglichung von Veränderungen geht. Für Fengler ist Kommunikation das große Gespräch, das alle Beteiligten einbezieht und ihr Feedback aufnimmt Voraussetzung für die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse und -ergebnisse, in Erwägung, dass „das Feedback nicht allein ein Instrument ist, sondern die Entscheidung für eine respektvolle Form der Beziehungsgestaltung (Fengler 2017, S.10). Aufgabe der Führungskräfte ist es, strategisch Arrangements zu schaffen, durch die es den Mitarbeitenden ermöglicht wird, sich auszutauschen, gegenseitig Feedback zu geben und dabei ihre kommunikative Kompetenz zu erweitern. Fengler (2017) unterscheidet insgesamt 15 Strategien und 114 Methoden.
Was Feedback von anderen Gesprächsformen unterscheidet, ist die Zielorientierung der Kommunikation: Es geht um eine Intensivierung der (Arbeits-)Beziehung über eine Stärkung der kommunikativen Bindung. Umso wichtiger ist es, dass die Beteiligten vorher ihre Rollen klären und sich über die konkrete Art der Anwendung des Instruments Feedback und über die Zielsetzung einig sind.
Schulleitungshandeln in der Praxis:Einbeziehung eines „critical friend an der IGS Linden
Schulleitungshandeln in der Praxis:Einbeziehung eines „critical friend an der IGS Linden
Schulleiterinnen und Schulleiter, verantwortlich für die Umsetzung der Inklusion an der eigenen Schule, sollten alles dafür tun, dass Rückmeldungen auf vielen Ebenen und zwischen möglichst allen Agierenden stattfinden können. Dazu gehört, einem außenstehenden Experten den kritischen Blick auf Arbeits- und Verhaltensweisen von Lehrkräften und Schulleitung freizugeben und zu ermöglichen, seine Beobachtungen in aller Freimut zurückzuspiegeln. Wie hilfreich die Einbeziehung eines „critical friend sein kann,...

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