1. – 13. Schuljahr

Rüdiger Kreth | Meik Neumann | Laura Renziehausen

„Mir doch egal!

Wie Feedback trotz Ablehnung wirksam werden kann

Der Beitrag wählt einen systemisch-lösungsorientierten Blick auf die Komplexität des Themas Feedback. Insbesondere der Umgang mit Lernenden, die auf positive Rückmeldungen anders als erwartet reagieren, steht dabei im Fokus. Denn „gut gemeint ist z.B. bei Schülerinnen und Schülern mit auffälligem Verhalten nicht automatisch „gut gehört und kann zu heftigen Reaktionen der Ablehnung führen. Wie lässt sich Feedback einbringen, um auch in solchen Situationen eine positive Entwicklung im Sinne eines besseren Miteinanders zu ermöglichen?

Feedback in der Schule „Friss oder stirb?
Der gesamte menschliche Sinnesapparat ist auf Rückkopplung, Resonanz, Unterschiedsbildung im allgemeinen Sinne auf „Feedback ausgelegt und angewiesen. Feedback ist ein immanenter Teil von Kommunikation, der im schulischen Kontext nicht nur als methodisch korrekt gerahmtes „informativ, tutoriales Feedback daherkommt. Als Bestandteil jeder Unterrichtsstunde bestimmt Feedback maßgeblich die SchülerLehrerInteraktion. Durch Feedback entsteht einerseits Transparenz, geht es doch um die Beurteilung einer Person, ihrer Leistungsfähigkeit, ihres Verhaltens. Andererseits ist es auch Ausdruck eines Hierarchiegefälles, schließlich bestimmt meistens die Lehrperson, wann und in welcher Form Feedback gegeben wird.
In geeigneten Kontexten wird Feedback von den meisten Empfängerinnen und Empfängern als konstruktive und interessante Rückmeldung bedeutsamer anderer aufgenommen. Dabei entscheidet immer der Empfänger über die Bedeutung der Botschaft. Heinz von Foerster hat eindrücklich die schnell steigende Komplexität herausgearbeitet, die bei der Verarbeitung von Kommunikation in nichttrivialen, also lebenden Systemen entsteht. Die Zusammenfassung dieser Überlegungen wäre: Die Wirkung von Kommunikation ist prinzipiell nicht vorhersehbar. Die Lösung für dieses Dilemma formuliert von Förster im Beachten des ethischen Imperativs: „Handele stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten wächst (vgl. v. Foerster 1993).
Im Fokus der folgenden Ausführungen stehen jene Kinder und Jugendliche, die es konsequent ablehnen, sich konstruktiv auf andere einzulassen, die grundsätzlich misstrauisch sind, wenn es um Du-Botschaften geht. Im Umgang mit solchen Kindern und Jugendlichen können z. T. genau jene Methoden unpassend sein, die emotional und sozial kompetente Kinder und Jugendliche durchaus gut meistern und gewinnbringend für sich nutzen können. Daraus ergibt sich die Frage: Was kann man tun, wenn gut gemeintes, durchaus wertschätzendes Feedback ins Gegenteil verkehrt wird oder Widerstände auslöst? Kann man sich das Feedback hier schenken oder anders gefragt wie kann man es trotzdem schenken?
Feedback-Typen: ein Experiment
Feedback-Typen: ein Experiment
Stellen sie sich vor, Sie sind Teilnehmerin oder Teilnehmer einer Lehrerfortbildung, bei der es um das Thema „Informatives Feedback geht. Gleich zu Beginn der Veranstaltung werden Sie gebeten, mit Menschen, die Sie möglichst nicht kennen, eine Übung durchzuführen.
Die Übung besteht darin, dass sich eine Gruppe von 4 – 5 Teilnehmenden hinter eine ihnen unbekannte Person setzt und zu dieser Vermutungen äußert, obwohl kaum bis gar keine gesicherte Kenntnis zur Person vorhanden ist. Die Versuchsperson schaut die Gruppe dabei nicht an und hört nur zu. Die Gruppe soll nun ihren Fokus darauf richten, Hypothesen darüber zu formulieren, über welche günstigen Eigenschaften der/die Zuhörende in Bezug auf eine konstruktive Mitgestaltung im anstehenden Seminar und am eigentlichen Arbeitsplatz verfügt.
Erfahrungen im Bereich des systemischen Arbeitens in pädagogischen Kontexten zufolge entspinnt sich in der Regel nach kurzer Aufwärmzeit eine rege Unterhaltung, in der zahlreiche Ideen und Fantasien über die Versuchsperson ausgetauscht werden. Dabei kommt es zu folgenden...

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