1. – 13. Schuljahr

Thomas B. Frøsig

Video Self-Modelling

Modelllernen digital umsetzen

Aufbauend auf den Prinzipien von Banduras Modelllernen gestaltet man in einem Video Self-Modelling-Projekt ein individuelles Lernvideo. Als Hauptpersonen des eigenen Lernfilms zeigen die Lernenden, wie sie eine momentan noch nicht beherrschte Fertigkeit bewältigen. Durch wiederholte Betrachtung des Videos verfestigt sich die zunächst nur „gefühlte Kompetenz und kann dann kontinuierlich nachgelebt werden. Der Beitrag zeigt, wie sich dieses Vorgehen im Unterricht umsetzen lässt.

Es gibt wohl kaum eine Klasse an beruflichen Schulen in Deutschland, in der nicht gelacht, gekichert oder sich gar fremdgeschämt wurde, wenn die obligatorischen Arbeitsschutzfilme über den Bildschirm liefen. Geschichten wie „Was Dornröschen stört, „Ankommen, nicht umkommen oder „Unterschätzen Sie nie die Gefahren am Arbeitsplatz sind Beispiele von Banduras Modelllernen als Slapstickhumor in Formaten zwischen 38 Sekunden und 3 Minuten aufbereitet, mit einem ungeschickten Antihelden in der Hauptrolle.
Für viele Jugendliche kann das Narrativ des ungeschickten Antihelden die zu vermeidenden Gefahren tatsächlich besser veranschaulichen als z.B. die Auflistung von „Not to Dos. Diese Form der videobasierten Interventionsmethoden nennt sich Video Modelling (VM) und hat einen gut dokumentierten Effekt bei generellen Problemstellungen (Cihak u. Shrader, 2009. Cardon, T.A. u. Wilcox, M.J. J 2010).
Ohne ein positives Selbstbild, ggf. sogar in Kombination mit einer fehlenden Fähigkeit zur äußeren Identifikation (z.B. Autismus Spektrum Störung), können die Filminhalte jedoch auf der Ebene eines „lustigen Films im Unterricht verharren. Der gewünschte Transfer von Wissen bleibt aus. Hier bedarf es einer Auseinandersetzung mit der individuellen Problemstellung und einem Video, das genau auf die Lösung dieser Problematik zugeschnitten ist.
Das Selbst in Video Self-Modelling
Jeder Mensch ist die Hauptperson im eigenen Lebensnarrativ. Überträgt man diese Feststellung auf die Idee des Video Self-Modelling, so erweist sich das direkte Einbeziehen der Lernenden indem sie zu Hauptpersonen im eigenen Lernvideo werden als besonders hilfreich. Nicht nur das Engagement steigt, sondern auch die Lerneffizienz ist erhöht (Marcus u. Wilder, 2009).
Dabei sollte das Video nicht den „Ist-Zustand dokumentieren und für Feedback nutzen, sondern es soll mithilfe der Möglichkeiten des Mediums der gewünschte „Soll-Zustand videografisch abgebildet werden. (Feedforward: Anderson u. Dowrick 2000). Dadurch entsteht bei den Lernenden eine neue „gefühlte Kompetenz, die dann imitiert und nachgelebt werden kann. Konkret entsteht also ein individueller Film, der die Lernenden bei der erfolgreichen Bewältigung des momentan noch nicht Gekonnten zeigt.
Merkmale von Video Self-Modelling
Die Ansprüche an einen auf Feedforward aufbauenden Video-Self-Modelling-Film lassen sich wie folgt zusammenfassen.
  • Zeigen Sie im fertigen Video nur individuell und erfolgreich umgesetzte Fertigkeiten der Lernenden, die über dem jetzigen Niveau liegen.
  • Zeigen Sie im fertigen Video nur eine Fertigkeit pro Video. Ist die Fertigkeit komplex, überlegen Sie sich mehrere Videos und fertigen Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung an.
  • Zeigen Sie im fertigen Video nur positive Sequenzen, gern mit Lob und Anerkennung verbunden. Vermeiden Sie Sequenzen, in denen korrigiert wird.
  • Halten Sie das Video kurz. Die erfolgreichsten Video-Self-Modelling-Filme mit Feedforward sind zwei bis drei Minuten lang.
Die Wirksamkeit von Video Self-Modelling wurde schon in den frühen 1970er-Jahren erforscht. Inspiriert von Arthur Banduras Studien zum sozialen Lernen hat man zwei Kernprinzipien des Modelllernens genutzt:
  • Je näher das Modell am Lernenden ist, desto effektiver ist das Lernen. Deswegen nutzt man in Video Self-Modelling den Lernenden als Hauptperson im eigenen Lernfilm.
  • Selbstwirksamkeit, oder die Überzeugung,...

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