1. – 13. Schuljahr

KIaus Seifried

Die Schulleitung stärken

Supervision und Coaching als Unterstützungsangebot

Supervision und Coaching sind Beratungsmethoden, um berufliche Fragestellungen und Probleme zu besprechen und die berufliche Arbeit zu verbessern. Sie bieten Schulleiterinnen und Schulleitern die Möglichkeit, mit einer neutralen, externen Person das eigene Handeln, das Beziehungsgefüge der Schule, Probleme und Konflikte zu reflektieren und nach Lösungen zu suchen. Der Beitrag zeigt, wie diese Methoden konkret zu Entlastung führen können und Ansatzpunkte für in die Schulentwicklung bieten.

Herr Müller ist Schulleiter einer Oberschule. Die Anmeldungen für das neue Schuljahr sind abgeschlossen, aber es haben nur wenige Eltern ihre Kinder bei ihm angemeldet. Um die Klassen im neuen Schuljahr zu füllen, wird die Schulaufsicht Schülerinnen und Schüler zuweisen, die an anderen Schulen nicht aufgenommen wurden. Herr Müller weiß, dass das, wie in den letzten Jahren, lernschwache oder verhaltensauffällige Schüler sein werden.
Herr Kraft ist Schulleiter einer Grundschule im sozialen Brennpunkt einer Großstadt. 80% der Eltern seiner Schüler erhalten Transferleistungen. Der Anteil von Kindern aus Migrationsfamilien beträgt 85%. Viele Schülerinnen und Schüler sprechen bei der Einschulung wenig oder kein Deutsch. Bei der Einschulungsuntersuchung stellte die Schulärztin bei über 40% der Kinder Übergewicht fest. Ein Großteil der Schüler kann nicht Fahrrad fahren oder schwimmen. 30% benötigen nach Empfehlung der Schulärztin eine zusätzliche schulische Förderung. Die Kinder erhalten von ihren Eltern nur wenig Unterstützung bei den Hausaufgaben und haben häufig keinen eigenen Arbeitsplatz zu Hause. Ein niedriges Leistungsniveau, motorische Unruhe, Konzentrationsschwächen, Aggressionen und Konflikte sind die Kernprobleme in den Klassen.
Frau Krause ist Klassenlehrerin einer 7. Klasse. Sie lädt zu Beginn des Schuljahrs zu einem Elternabend ein. Von den 25 eingeladenen Eltern kommen nur 6. Die Wahl von Elternvertretern ist nicht möglich, weil sich keine Eltern zur Verfügung stellen. Frau Krause fragt ihren Schulleiter, was sie jetzt tun soll.
Frau Maier ist Schulleiterin einer Oberschule und arbeitet gerade an der Schülerstatistik, die sie bis morgen der Schulaufsicht schicken muss. Da stürzt eine Lehrerin weinend in ihr Zimmer: „Ich gehe nicht mehr in diese Klasse. Ein Schüler hat mich bedroht …“
Herr Kerner sitzt in einer Besprechung mit seinem Schulleitungsteam, als im Sekretariat lautes Geschrei zu hören ist. Ein Vater beschwert sich lautstark und hoch aggressiv, dass sein Sohn in der Schule gemobbt wird. Er sagt, er werde jetzt in die Klasse gehen und die Schüler, die seinen Sohn ärgern, zur Rede stellen: „Damit das endlich aufhört! Die Lehrer und die Schulleitung machen ja nichts!
Dies sind fünf Beispiele aus dem Schulalltag im sozialen Brennpunkt. Es ließen sich noch zahlreiche weitere Beispiele dafür finden, welchen Anforderungen und Belastungen Schulleitungen an Schulen in kritischer Lage ausgesetzt sind, welche Kränkungen und Enttäuschungen sie aushalten müssen. Alle Schulleitungen sind wie andere Führungskräfte auch mit starken Belastungen, Konflikten und Problemen konfrontiert. Doch im sozialen Brennpunkt verstärken sich diese Probleme. Erfolge, Wertschätzung und Anerkennung bleiben vielfach aus.
Bei Schülerinnen und Schülern fehlt oft die Lernmotivation und Anstrengungsbereitschaft: „Ich schaffe sowieso keinen Abschluss und hab keine Chancen. Ist doch egal. Bei Lehrkräften entsteht häufig die Haltung: „Die Eltern kümmern sich zu wenig. Da können wir als Schule dann auch nichts machen. „Das schaffen die Schüler sowieso nicht.
Die Schulleitung reagiert auf die Problemflut mit Resignation und versucht, die Schule, so gut es geht, zu verwalten oder durch Entlastung der Schüler und Lehrkräfte neue Motivation zu schaffen.
Wo soll die Schulleitung in diesen scheinbar ausweglosen Situationen mit der...

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