1. – 13. Schuljahr

Cornelia von Ilsemann

Schulen in „kritischer Lage

Definition, Förderprogramme und Gelingensbedingungen für den Wandel

Längst überfällig ist der Blick von Öffentlichkeit, Politik und Forschung auf diejenigen Schulen, die sich in „kritischer Lage befinden und jeden Tag mit großen Herausforderungen zu kämpfen haben. Der Beitrag definiert „Schulen in kritischer Lage, analysiert Aufgaben und Probleme, stellt ausgewählte Programme zur Förderung vor und benennt Gelingensbedingungen, die Schulen den Wandel ermöglichen.

Seit dem Schock nach den ersten PISA-Ergebnissen hat sich im deutschen Schulwesen viel verändert. Mehr Ganztagsschulen, bessere Konzepte für die Sprachbildung, kompetenzorientierte Bildungsstandards und systematische Qualitätsentwicklungsmaßnahmen sind Beispiele für die Reformvorhaben der Länder. Vor allem aber haben sich in vielen Schulen neue Verantwortungsstrukturen entwickelt: Unterricht, Schulkultur, Leistungen und Abschlüsse, aber auch die Beziehung zwischen den Pädagoginnen und Pädagogen sowie den Kindern bzw. Jugendlichen werden heute von allen Beteiligten anders ernst genommen, reflektiert, verändert und in Teilen auch evaluiert.
Im internationalen Vergleich hatten sich die Leistungen deutscher Schulen in den letzten Jahren verbessert. Der Aufwärtstrend scheint aber nach den neusten PISA-Ergebnissen beendet zu sein. Die Schere zwischen schwachen und starken Leistungen klafft so weit auseinander wie in kaum einem anderen Land. Insgesamt ist die Abhängigkeit schulischer Leistungen vom sozialen Status des Elternhauses immer noch beschämend hoch. Darüber hinaus differenziert sich das Bild: die nationalen Vergleichstests wie VERA und länder-interne Tests zeigen nicht nur große Unterschiede zwischen den Ländern, sondern vor allem auch zwischen den einzelnen Schulen innerhalb der Länder. Eltern informieren sich genau, in welcher Schule mehr gefordert wird oder wo es besonders interessante Schwerpunkte gibt. Sie wissen aber auch, wo sie ihre Kinder nicht hinschicken wollen: in Schulen, in denen sie sprachliche Defizite und soziale Probleme vermuten. So wird die Kluft noch größer.
Insbesondere in Großstädten mit sozial unausgewogener Stadtentwicklung haben Schulen mit den Herausforderungen einer „kritischen Lage zu kämpfen. Aber auch zwischen Stadt und Land gibt es deutliche Unterschiede.
Was sind „Schulen in kritischer Lage?
Für „Schulen in kritischer Lage gibt es zwei mögliche Definitionen.
  • Die eine Definition bezieht sich ausschließlich auf die herausfordernde sozialräumliche Lage mit Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern. Es geht also um Kinder aus armen Familien, deren Eltern oft auch arbeitslos sind, oder um Eltern, die selbst keine abgeschlossene Schulbildung haben. Ein Migrationshintergrund kann zwar zu Beginn der Schule zu Sprachproblemen führen. Eine Herausforderung aber entsteht nur in Kombination mit einer der anderen o.g. Schwierigkeiten.
  • Die andere Definition beschreibt Schulen, die vor allem im Innern Krisensymptome aufweisen: überlastete oder verzweifelte Lehrkräfte, eine ratlose oder überforderte Leitung, kein gemeinsames pädagogisches Verständnis im Kollegium, keine Strukturen der Zusammenarbeit, verwahrloste Klassenräume und Gebäude sowie fehlende Klarheit und Orientierung für die Schülerinnen und Schüler. So entstehen schwache Lernergebnisse.
In vielen der unter a) genannten Schulen arbeiten hoch engagierte Lehrkräfte und herausragende Leitungen. Sie finden kluge Lösungen für die Vielfalt ihrer Schülerschaft, schaffen Vertrauen und Orientierung durch Regeln und Rituale, respektieren einander und ermutigen ihre Schüler zu starken Leistungen auf allen Ebenen. Als Beispiel sei die Schule „Kleine Kielstraße in Dortmund genannt oder die Grundschule Hamm. Beide haben den Deutschen Schulpreis gewonnen. Sie sind sicher, dass jedes Kind bei ihnen genau richtig ist und jede Unterstützung verdient.
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