1. – 13. Schuljahr

Cornelia von Ilsemann

„SMS Schule macht sich stark

Lehren aus dem bundesweit ersten Projekt für „Schulen in kritischer Lage

Die erste PISA-Studie brachte für Bremen erschreckende Ergebnisse: Bremen lag im Ländervergleich in nahezu allen untersuchten Bereichen der PISA-Kompetenzen an letzter Stelle. Das Land reagierte darauf u.a. mit dem Projekt „Schule macht sich stark (SMS), das eine systematische Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht anstrebte. Der Beitrag stellt das Projekt vor und benennt Gelingensbedingungen.

Dass Bremen 2004 als erstes Bundesland ein derartiges Projekt auflegte, lag nahe: Die PISA-Befunde erschreckten das kleine Bundesland tief. Die langjährig regierenden Sozialdemokraten waren bis dahin überzeugt gewesen, eine sozial gerechte Bildungspolitik zu verantworten. Die PISA-Ergebnisse zeigten das Gegenteil bei zusätzlich sehr schwachen Lernleistungen. So rief der damalige Bildungssenator Willi Lemke unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zu einem „Runden Tisch Bildung zusammen, darunter auch aktive Schulleitungen. Auf der Basis ihrer Vorschläge wurde in der Behörde eine systematische Strategie der Qualitätsentwicklung für Schule und Unterricht erarbeitet, die Steuerungsimpulse zur Sicherung der Bildungsstandards mit Unterstützungsangeboten verband, Schulleitungen stärker in die Pflicht nahm und ein Monitoringsystem aufbaute, das sich u.a. an Daten und Ergebnissen externer Evaluation orientierte. In diesen Kontext war das Aktionsprogramm „Schule macht sich stark eingebettet.
Ziele des Projekts
Die Ziele des Projekts „Schule macht sich stark waren
  • die messbare Verbesserung der Schülerleistungen in den Basiskompetenzen (Deutsch und Mathematik),
  • die Förderung von Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme für das eigene Lernen bei den Schülerinnen und Schülern sowie
  • der deutliche Fokus auf die Bereiche Berufsorientierung und Sprachförderung.
Im Rahmen dieser wenigen vorgegebenen Grobziele sollten die Schulen selbst über Teilziele und Maßnahmen für ihren Standort entscheiden können. Der Name „Schule macht sich stark (SMS) war Programm: Schulen sollten nicht von außen umgewandelt werden, sondern sich selbst der Herausforderung stellen, die Verantwortung für das Lernen der Schülerinnen und Schüler zu übernehmen. Für diesen Prozess haben sie mit dem Projekt professionelle Unterstützung erhalten.
Auswahl der Schulen
Ausgewählt wurden Schulen der Sekundarstufe I (Jg. 5 bis 10) in Bremen und Bremerhaven, die in sozialen Brennpunkten lagen und auch im Innern Krisensymptome zeigten (vgl. Basisartikel). Zu Beginn des Projekts verfügte das Land nur über wenige Daten; auch eine externe Evaluation musste erst aufgebaut werden. So bot die Schulaufsicht 20 vorausgewählten Schulen einen externen Experten an, der die Schulen besuchen und über seine Dreitagehospitation einen Bericht schreiben sollte. Dem stimmten alle Schulen zu. Für die Teilnahme an dem Projekt votierten dann immer noch 15 Schulen, während nur 12 Plätze zur Verfügung standen. Diese „begrenzte Freiwilligkeit hat sehr zum Gelingen des Projekts beigetragen, weil sie die Schulen zu Subjekten des Handelns machte.
Die ausgewählten Schulen erhielten jeweils vier zusätzliche Planungsstunden sowie ein Fortbildungsbudget von bis zu 20.000 Euro pro Jahr.Das ist deutlich weniger, als spätere Projekte in anderen Bundesländern den Schulen zur Verfügung stellten. Das arme Bundesland Bremen konnte aber auch diese Unterstützung nur mithilfe von ESF (Europäischer Sozialfonds)-Mitteln zusagen.
Für die beteiligten Schulen gab es keine kleineren Klassen, keine zusätzlichen Sozialpädagogen und keine neuen Investitionen. Allerdings hatte Bremen bereits damals alle Schulen mithilfe eines transparenten Sozialindikators passend ausgestattet. Schulen mit einem sozial schwachen Einzugsgebiet erhielten also grundsätzlich deutlich mehr Ressourcen als andere.
Unterstützt wurden die Schulen auch mit zusätzlichen...

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